Gedichte von Uwe Topper zu Bildern von Renate Fricke


Geheimnis


pinienblick im offnen fenster abendrot bei vollem mond-

das ist die stunde der schwäne!


 leda schönheit, dem meer entstiegen

mit oktopusfüßen und scheuem blick

was wirst du und zeigen

wenn dein gewand

vom wind aufbläht?


kleines schmuckstück du

lange erwartet

was geht hier vor in meinem geist?


behalt dein geheimnis

stoff gebannt

noch diese nacht


Schlaf


lautlos sinken blätter nieder

gelb und braun vom herbst getönt durch die wellen zart geschönt klingen übers wasser lieder


unser jahr legt sich zur ruhe

unter bäumen ausgestreckt tauben fliegen hochgeschreckt vom geraschel unserer schuhe


pilzgeruch und faulig moos

stehen eichen kahl und bloß

mag ein windchen duft hertragen in den kurzen sommertagen


Sperber

zähmte mir den wilden sperber nahm ihn auf die rechte faust schaute gern den starken werber wie er durch die wolken saust


habe mein gespiel gefunden brachte ihn herab ins tal

ist die salbe meiner wunden

ist der honig meiner wahl


auf mein liebster jag mir einen guten braten für mein fest

ich will zart ihn zubereiten


bring mir wasser von dem reinen quell in großen himmelsweiten kehr zurück zu meinem nest


Der Kuss


halb im erdreich verborgen

 dem grund entwächst

 der mann

 zum schaffen bereit

 noch fehlt ihm der blitz

 der zündende

 da kommt schon vom himmel

 vogelgleich

 oder als fisch

 aus der wasserwelt

 die muse zu ihm

 mit dem kuss

 sie berührt ihn kaum

 mit der zunge

 er reckt sich empor

 ihr entgegen

 empfängt erwartungsvoll

 geist und gefühl zugleich

 von der sylphe der luft

 nach der er dürstet

 hinter ihm baumstarke

 doppelgestalt

 über ihm vögel und himmelgetier

 ziege und schwan und volle sonne. 





Badende


heilig in dem blauen see 

schwimmen die drei grazien

 lassen´s wohlig sich ergehn


 lassen ihre haare fließen

 golden blitzen die gewänder

 auf dem wasser in der sonne


 doch am ufer dräuen drei

 hüte von der schlimmen sorte

 jagen mir den schrecken ein


 sind sie nur beobachter

 lüstern im verkorkten hirn?

 planen sie gar schlimmeres?


 seh am linken rand den schatten

 einer schwarz verhängten göttin

griechischer tragödie


 fliegt doch rechts befreit gewandelt

 schmetterling der schönen zu

 bunt beschwingt und freierfroh.




 23. 02. 2019

Die Amsel


näher als meine

halsschlagader

bist du mir

geliebte

auf meinem ritt

in der nacht

durch dein chaos


manchmal ein stern

 -immer der Eine-

hier und da

am hohen zelt

mich zu leiten

auf meinem ritt

zu dir


bald wird es tagen

dann will ich bei dir

im zelt das licht

deiner augen sehn

die voller güte

beim nächtlichen ritt

mich begleiten


Die Reisenden


es meckert die Ziege am großen Wannsee sie meckert zitate vom lustgarten- Bosch

schau wie das pärchen ins freie drängt

der dritte tief drinnen ist abgehängt

ein kugelfisch im algengarten

ein möw schwebt drüber wie ein geist so hol mich doch der ein- und- alles aus diesem labyrinth heraus

das wimmelt wabert ungezügelt

ganz schwerelos und bunt gescheckt wer lust hat auf ein paar zitate

der hat sie sicher bald entdeckt

es blicken fast aus jedem winkel

die unterwasserwesen auf

Herrgott - die schöpfung ist nicht sparsam

in diesem blickfeldsonderlauf




Einflüsterer


bist mir vertraut

ganz nah meinem herzen

sprichst du von schönheit

ganz nah meinem herzen

 vertraut mir seit undenklicher zeit


hast mir schon ins ohr geflüstert

als ich noch in Cordoba lebte

 ich war der dichter Ibn Hazm, der Dich Einflüsterer beim namen nannte

schürf ich weiter zurück

komm zu Griechen

natürlich:

Sokrates nannte dich

seinen Dämon

und sagte:


keine größere schande gibt es,

als zu versuchen,

seinen Dämon zu betrügen


immer weiter zurück bis zum anfang

 im zeitlosen garten

Du schlängelt dich um den apfelbaum

flüsterst nur meiner liebsten ins ohr


Du bist unbestechlich

mir viel zu nah mir selbst

Du und ich, wir beide

gegenseitig

beflüstern wir uns



Erdbeerzeit


dies glück hat uns gezogen

mit haut und mit gespür daß melodien flogen

von deinem mund zu mir


 ich hab sie aufgenommen

als vogelsang und wahr

sind wir im fluss geschwommen

grün wasserhell und klar


du bist hinabgestiegen

ganz weiß war deine haut

ich werde oft mich wiegen

in diesem bild gestaut 



Tanzende (ein neuer Klang)


so ganz erfüllt von dir

hab ich gar kein verlangen

fern über berge täler fliegt

mein atem leicht im wind


die bangen fragen sind vom gottvertrauen

ganz verdrängt. es bleibt nur seligkeit dem leben hingegeben wie eine melodie mit neuem klang


selbst zeit, die drohend mahnende gewißheit

wird nur zum widerschein am horizont

ein tanz auf freier weite ist entfacht daß selbst der vogelzug wie spiel und freude flammt


Vola ad celum


gak - gak - gak

ein schnabel , ein auge

dreimal zum himmel

quak - quak - quak

darunter die lauge

mit tierisch gewimmel


lampe auf stirn

schlange mit schirm

krebsend gewürm

algen und nelken

die nicht verwelken

die nicht vergehen


spürst du die lust nicht

unter der schutzschicht

im hellen wasserlicht?


fische und sonnentier

aal und bezauberzier

schwumm schwimmt herum.


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