
Geheimnis
pinienblick im offnen fenster abendrot bei vollem mond-
das ist die stunde der schwäne!
leda schönheit, dem meer entstiegen
mit oktopusfüßen und scheuem blick
was wirst du und zeigen
wenn dein gewand
vom wind aufbläht?
kleines schmuckstück du
lange erwartet
was geht hier vor in meinem geist?
behalt dein geheimnis
stoff gebannt
noch diese nacht

Schlaf
lautlos sinken blätter nieder
gelb und braun vom herbst getönt durch die wellen zart geschönt klingen übers wasser lieder
unser jahr legt sich zur ruhe
unter bäumen ausgestreckt tauben fliegen hochgeschreckt vom geraschel unserer schuhe
pilzgeruch und faulig moos
stehen eichen kahl und bloß
mag ein windchen duft hertragen in den kurzen sommertagen

Sperber
zähmte mir den wilden sperber nahm ihn auf die rechte faust schaute gern den starken werber wie er durch die wolken saust
habe mein gespiel gefunden brachte ihn herab ins tal
ist die salbe meiner wunden
ist der honig meiner wahl
auf mein liebster jag mir einen guten braten für mein fest
ich will zart ihn zubereiten
bring mir wasser von dem reinen quell in großen himmelsweiten kehr zurück zu meinem nest

Der Kuss
halb im erdreich verborgen
dem grund entwächst
der mann
zum schaffen bereit
noch fehlt ihm der blitz
der zündende
da kommt schon vom himmel
vogelgleich
oder als fisch
aus der wasserwelt
die muse zu ihm
mit dem kuss
sie berührt ihn kaum
mit der zunge
er reckt sich empor
ihr entgegen
empfängt erwartungsvoll
geist und gefühl zugleich
von der sylphe der luft
nach der er dürstet
hinter ihm baumstarke
doppelgestalt
über ihm vögel und himmelgetier
ziege und schwan und volle sonne.

Badende
heilig in dem blauen see
schwimmen die drei grazien
lassen´s wohlig sich ergehn
lassen ihre haare fließen
golden blitzen die gewänder
auf dem wasser in der sonne
doch am ufer dräuen drei
hüte von der schlimmen sorte
jagen mir den schrecken ein
sind sie nur beobachter
lüstern im verkorkten hirn?
planen sie gar schlimmeres?
seh am linken rand den schatten
einer schwarz verhängten göttin
griechischer tragödie
fliegt doch rechts befreit gewandelt
schmetterling der schönen zu
bunt beschwingt und freierfroh.
23. 02. 2019

Die Amsel
näher als meine
halsschlagader
bist du mir
geliebte
auf meinem ritt
in der nacht
durch dein chaos
manchmal ein stern
-immer der Eine-
hier und da
am hohen zelt
mich zu leiten
auf meinem ritt
zu dir
bald wird es tagen
dann will ich bei dir
im zelt das licht
deiner augen sehn
die voller güte
beim nächtlichen ritt
mich begleiten
Die Reisenden
es meckert die Ziege am großen Wannsee sie meckert zitate vom lustgarten- Bosch
schau wie das pärchen ins freie drängt
der dritte tief drinnen ist abgehängt
ein kugelfisch im algengarten
ein möw schwebt drüber wie ein geist so hol mich doch der ein- und- alles aus diesem labyrinth heraus
das wimmelt wabert ungezügelt
ganz schwerelos und bunt gescheckt wer lust hat auf ein paar zitate
der hat sie sicher bald entdeckt
es blicken fast aus jedem winkel
die unterwasserwesen auf
Herrgott - die schöpfung ist nicht sparsam
in diesem blickfeldsonderlauf

Einflüsterer
bist mir vertraut
ganz nah meinem herzen
sprichst du von schönheit
ganz nah meinem herzen
vertraut mir seit undenklicher zeit
hast mir schon ins ohr geflüstert
als ich noch in Cordoba lebte
ich war der dichter Ibn Hazm, der Dich Einflüsterer beim namen nannte
schürf ich weiter zurück
komm zu Griechen
natürlich:
Sokrates nannte dich
seinen Dämon
und sagte:
keine größere schande gibt es,
als zu versuchen,
seinen Dämon zu betrügen
immer weiter zurück bis zum anfang
im zeitlosen garten
Du schlängelt dich um den apfelbaum
flüsterst nur meiner liebsten ins ohr
Du bist unbestechlich
mir viel zu nah mir selbst
Du und ich, wir beide
gegenseitig
beflüstern wir uns
Erdbeerzeit
dies glück hat uns gezogen
mit haut und mit gespür daß melodien flogen
von deinem mund zu mir
ich hab sie aufgenommen
als vogelsang und wahr
sind wir im fluss geschwommen
grün wasserhell und klar
du bist hinabgestiegen
ganz weiß war deine haut
ich werde oft mich wiegen
in diesem bild gestaut

Tanzende (ein neuer Klang)
so ganz erfüllt von dir
hab ich gar kein verlangen
fern über berge täler fliegt
mein atem leicht im wind
die bangen fragen sind vom gottvertrauen
ganz verdrängt. es bleibt nur seligkeit dem leben hingegeben wie eine melodie mit neuem klang
selbst zeit, die drohend mahnende gewißheit
wird nur zum widerschein am horizont
ein tanz auf freier weite ist entfacht daß selbst der vogelzug wie spiel und freude flammt
Vola ad celum
gak - gak - gak
ein schnabel , ein auge
dreimal zum himmel
quak - quak - quak
darunter die lauge
mit tierisch gewimmel
lampe auf stirn
schlange mit schirm
krebsend gewürm
algen und nelken
die nicht verwelken
die nicht vergehen
spürst du die lust nicht
unter der schutzschicht
im hellen wasserlicht?
fische und sonnentier
aal und bezauberzier
schwumm schwimmt herum.
Weitere Werke von Uwe Topper finden Sie hier.